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Salzach: Wasserkraftwerk oder Renaturierung
Bis heute ist die Salzach der einzige Voralpenfluss, der nicht durch Staustufen unterbrochen ist. Der BUND Naturschutz setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass dies auch so bleibt. Es gibt jedoch erneut Pläne für ein Wasserkraftwerk. Der BN kämpft gegen dieses Vorhaben und für eine Renaturierung der Salzach.
Letzter freier Voralpenfluss
Die Salzach fließt auf über 60 Kilometern zwischen Salzburg und der Mündung in den Inn ohne Stauwehr – einzigartig unter Bayerns Voralpenflüssen. Ein geplantes Wasserkraftwerk im Tittmoninger Becken gefährdet nun die laufende Renaturierung dieses europaweit bedeutsamen Flussgebiets mit seiner artenreichen Aue.
20 Millionen für die Zerstörung
20 Millionen Euro staatliche Förderung sind für ein Wasserkraftwerk vorgesehen, das wertvolle Lebensräume und Laichgründe vernichten würde. Für dieselbe Summe könnte über Wind- und Solarenergie deutlich mehr Strom produziert – und stattdessen eine Renaturierung von 20 Kilometern Flusslänge ermöglicht werden.
Lebensraum für seltene Arten
Bei der momentan laufenden Renaturierung zwischen Salzburg und der Mündung in den Inn werden Ufer aufgeweitet und die Auen wieder mit dem Fluss verbunden. So entstehen wichtige Lebensräume für selten gewordene Tiere und Pflanzen. Unter Wasser finden sich Fischarten wie Äsche, Nase und Huchen ein. Auf den entstehenden Kiesbänken brüten Flussregenpfeifer und Flussuferläufer – Eisvogel, Wasseramsel und Gebirgsstelze finden wieder einen Lebensraum.
Erfolgreicher Widerstand
Schon seit den 1960er-Jahren kämpfen Naturschützer*innen gegen Kraftwerkspläne an der Salzach – 1964 protestierten erstmals 150 Kanut*innen und paddelten von Freilassing nach Burghausen. 1975 wehrten sich 3.500 Wanderer gegen neue Baupläne an der Salzach. Vereine und ander Organisationen fanden sich zu Initiativen zusammen und 1987 entstand schließlich die „Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach“ – ein Zusammenschluss, der heute noch erfolgreich gegen die Verbauung der Salzach kämpft.
- document.getElementById('c274188').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">1 Kraftwerksplanungen gefährden begonnene Renaturierung
- document.getElementById('c274183').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">2 Keine Subventionen für Naturzerstörung!
- document.getElementById('c274189').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">3 Widerstand mit Geschichte
- document.getElementById('c274144').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">4 Die Salzach bietet eine historische Chance
- document.getElementById('c274138').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">5 Rückblick: das zähe Ringen um die Salzach
- document.getElementById('c274133').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">6 Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach
- document.getElementById('c274130').scrollIntoView({ behavior: 'smooth' }), 10);">7 Wir bleiben dran!
Kraftwerksplanungen gefährden begonnene Renaturierung
Die Salzach fließt von Salzburg bis zu ihrer Mündung in den Inn über eine Strecke von mehr als 60 Kilometer ohne Stauwehre. Damit ist sie einzigartig in Bayern. Zwar wurde der Fluss im 19. Jahrhundert begradigt und eingedeicht, aber bislang blieb er von Staustufen verschont. Zusammen mit seinen Auen bildet er eine der letzten intakten Lebensraumachsen zwischen Alpen und Donauraum – Heimat seltener Tiere und Pflanzen und ein Schutzgebiet von höchstem europäischem Rang. Auf österreichischer Seite liegt zudem der Naturpark Salzachauen.
Trotzdem soll mitten im Schutzgebiet ein Wasserkraftwerk gebaut werden. Es würde das Ende für die begonnene Renaturierung bedeuten. Das durch die Begradigung in Mitleidenschaft gezogene Flussbett und die Aue werden in Österreich schon seit einigen Jahren saniert. Auch in Bayern wurde begonnen die Ufer naturnah aufzuweiten, damit artgerechte Lebensräume für Flora und Fauna entstehen.
Keine Subventionen für Naturzerstörung!
Ein Wasserkraftwerk würde – gebaut mit einer staatlichen Subvention von 20 Millionen Euro – große ökologische Schäden anrichten. Natürliche Gewässerhabitate würden durch den Rückstau des Wassers verloren gehen, Fische wie Äsche, Nase und Huchen geschädigt und letztlich die umfassende Renaturierung der Salzach behindert. Gleichzeitig ließe sich durch Solar- und Windkraft sehr viel mehr Energie mit derselben Investition erzeugen.
Der BUND Naturschutz fordert stattdessen eine Renaturierung des 20 Kilometer langen Abschnitts im „Tittmoninger Becken“. Diese würde an die visionären Projekte auf Österreichischer Seite anknüpfen, wo nördlich von Salzburg über 100 Hektar Auenfläche bereits renaturiert wurden und ab 2024 weitere 500 Hektar folgen sollen ((AKTUALISIEREN)). Davon profitieren schon jetzt Arten wie der Eisvogel, der in den renaturierten Ufern seine Bruthöhlen baut. Wir haben jetzt die Möglichkeit an diesen Gewinn für Natur und Mensch anzuknüpfen.
Widerstand mit Geschichte
Schon seit den 1960er-Jahren muss eine breite Allianz von Naturschützer*innen auf bayerischer und österreichischer Seite immer wieder gegen eine Verbauung der Salzach durch Wasserkraftwerke kämpfen. Die potenziellen Investoren gingen angesichts des Widerstandes von Bürger*innen und Naturschützer*innen zwischenzeitlich immer wieder in Deckung, aber die Pläne liegen weiterhin in den Schubladen. Seit einigen Jahren melden die Stromerzeuger wieder Begehrlichkeiten an. Im Fahrwasser einer falsch verstandenen Energiewende machen sie Stimmung für neue Kraftwerke. Der BUND Naturschutz und die Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach (ALS) treten für den Erhalt des frei fließenden Flusses und seine weitere Renaturierung ein.
Im Tittmoninger Becken ist ein sogenanntes Fließgewässerkraftwerk geplant. Im Unterschied zu herkömmlichen Wasserkraftwerken hat es einen geringeren Rückstau und kann überströmt werden. Nach Darstellung der Planer bliebe damit der Fließcharakter des Gewässers gewahrt, weshalb das Fließwasserkraftwerk „ökologisch“ sei.
Doch das stimmt so nicht. Auch das Querbauwerk eines Fließwasserkraftwerks
- führt zu einem Rückstau des Wassers,
- führt zu einem gleichmäßigeren Wasserstand, als es von Natur aus der Fall wäre,
- nimmt dem Fluss damit einen wichtigen Teil seiner Dynamik,
- schädigt so Fluss und Aue, die auf die natürliche Dynamik angewiesen sind.
Im Staubereich eines Kraftwerks fließt das Wasser langsamer und erwärmt sich stark, der Sauerstoffgehalt sinkt. Feine Sedimente werden nicht mehr abtransportiert, sondern lagern sich ab und verstopfen das Kiesbett des Flusses. Die Folgen sind belegt: Lebensräume und Laichgründe gehen verloren, Fische leiden unter Hitzestress, ihre Eier sterben aufgrund Sauerstoffmangels ab – und das alles in Zeiten der Klimakrise, wo steigende Temperaturen und sinkende Wasserstände die Wasserlebewesen ohnehin stark stressen.
Die Höhe des Geländesprunges am Kraftwerk würde bei circa drei Meter liegen. Dementsprechend würde der Wasserstand unterhalb des Querbauwerks deutlich niedriger als bei einem natürlichen Gefälle liegen. Damit würde die Anbindung der Aue an den Fluss nicht verbessert – wie es die Renaturierung vorsieht –, sondern im Gegenteil weiter verschlechtert. Ein Fließwasserkraftwerk wäre deshalb ebenso wie ein herkömmliches Kraftwerk das faktische Ende für die bislang so vorbildliche Renaturierung.
Durch die Begradigung des Flusses im 19. Jahrhundert setzte man eine kontinuierliche Eintiefung der Salzach in Gang, inklusive sinkendem Grundwasserstand. An manchen Stellen droht bereits ein Durchbrechen des Flussbodens, ein sogenannter „Sohldurchschlag“, der unter anderem zu einem weiter sinkenden Grundwasserspiegel führen würde. Schon jetzt hat sich der Fluss bis zu einem Meter in weiche Bodenschichten eingegraben.
Auch ein Querbauwerk wie das geplante Wasserkraftwerk würde bereichsweise zu einer zusätzlichen Eintiefung von über einem Meter und damit auch zu einem weiteren Absinken des Grundwassers führen. Nur durch die Renaturierung mit großflächigen Uferaufweitungen ließe sich die Flusssohle ausreichend stabilisieren, nicht aber durch ein Querbauwerk. Das zeigen alle bisherigen Untersuchungen.
Mit dem Verschwinden der Auen haben unzählige Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum verloren. Die faszinierende Vielfalt der Auen kann sich nur entwickeln, wenn sich die Wasserstände und die Landschaft entlang des Flusses ständig mit dem Fluss verändern dürfen. Die hochspezialisierten Tiere und Pflanzen, die in der Aue leben, sind an diese extremen Wechsel angepasst und brauchen sie sogar. Viele der typischen Auebewohner sind wegen der zerstörten Auen heute stark gefährdet, einige sogar vom Aussterben bedroht.
Mit der momentan laufenden Renaturierungdes frei fließenden Salzachabschnitts zwischen Salzburg und der Mündung in den Inn entstehen wieder artgerechte Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Die einst eingedeichten Ufer werden naturnah aufgeweitet und die Auen wieder mit dem Fluss verbunden.
Hinzu kommt, dass sich die Salzach durch ihre Begradigung im 19. Jahrhundert extrem ins Flussbett eingetieft hat, auch weil Stauwehre oberhalb von Salzburg den Nachschub an Kies aufhalten. Das heißt, dass der Fluss im Tittmoninger Becken, wo das Kraftwerk geplant ist, heute bis zu zweieinhalb Meter tiefer im Gelände liegt als es von Natur aus der Fall wäre. Als Folge ist auch das Grundwasser in der Region abgesunken und es droht zudem ein Durchbrechen des immer dünner werdenden Kiesbodens in darunter liegende weiche Schichten, was das Problem nochmals drastisch verschlimmern würde.
Auf österreichischer und bayerischer Seite nördlich von Tittoming wurden erste Strecken naturnah aufgeweitet, womit sich der ökologische Zustand der Salzach, ihrer Ufer und der Auwälder bereits erheblich verbessert hat. Auf österreichischer Seite ist hier der Naturpark Salzachauen entstanden.
Die Salzach entspringt in den Kitzbühler Alpen am Salzachgeier, ab Salzburg strömt sie ihrer Mündung in den Inn entgegen, auf 60 Kilometern als Grenzfluss zwischen Bayern und Österreich. Genau auf dieser Grenzstrecke fließt die Salzach frei von Stauwehren. Das ist einzigartig für einen Voralpenfluss in Bayern und macht den Abschnitt zu einer der artenreichsten Landschaften der Voralpen. Daher sind die Salzach und ihre Auen auch ein Schutzgebiet von höchstem europäischem Rang.
An der frei fließenden Salzach gibt es noch weitläufige Auen, Mitteleuropas artenreichste Lebensräume. Die Aue wird vom Fluss gestaltet und ist dadurch enorm vielfältig: trockene Sand- und Kiesinseln, feuchte Auwiesen, Auwälder, Tümpel, alte Flussarme und Altwasser wechseln sich dort ab.
Auf wenigen Prozent der Landesfläche Bayerns kommen in den bayerischen Auen rund zwei Drittel aller heimischen Lebensgemeinschaften vor. Dort gibt es fast alle Amphibienarten, einen Großteil der Schnecken- und Muschelarten, mehr als 70 Prozent aller Libellen- und 60 Prozent aller Brutvogelarten.
So sind auch die frei fließende Salzach und ihre Auen ein letzter Rückzugsort von vielen heute sehr selten gewordenen Tieren und Pflanzen. Unter Wasser finden sich Fischarten wie Äsche, Nase und Huchen. Diese brauchen kühles, sauerstoffreiches Wasser und reich strukturierte Lebensräume, wie sie nur die der naturnahe Fluss bietet.
Mit einer erfolgreichen Renaturierung, werden sich auch seltene Arten wieder einfinden: Wenn wir der Salzach wieder Raum geben, um sich dynamisch zu entwickeln, können auf den entstehenden Kiesbänken auch wieder Flussregenpfeifer und Flussuferläufer brüten. Der Eisvogel wird wieder häufiger zu sehen sein, ebenso wie die Wasseramsel und die Gebirgsstelze.
Für eine Wende hin zu Erneuerbaren Energien spielen Wind und Sonne die tragenden Rollen. Das Potenzial für Wasserkraft ist in Bayern weitgehend ausgereizt. Gleichzeitig ist mittlerweile klar, wie wichtig intakte Flüsse und Auen gerade in Zeiten des Klimawandels für Landschaftswasserhaushalt, Hochwasserschutz und Artenvielfalt sind.
Wegen der stark schwankenden Wasserführung der Salzach ist dieWirtschaftlichkeit eines Kraftwerks ohnehin zweifelhaft. Vor allem in den Wintermonaten führt der Fluss nicht genug Wasser für eine effektive Stromproduktion. So war zum Beispiel zwischen Oktober 2022 und März 2023 der Wasserabfluss dafür nur an wenigen Tagen ausreichend. Im Trockenjahr 2018 hätte zudem im März, August, September und Oktober nur an wenigen Tagen Strom produziert werden können.
Zum Vergleich: Zwei bis drei Windenergieanlagen mit je drei Megawatt Leistung würden mit etwa 30 Gigawattstunden pro Jahr genauso viel Strom liefern wie das Fließgewässerkraftwerk.
Die Salzach bietet eine historische Chance
Mit einer weiteren Renaturierung der Salzach ohne Kraftwerk könnte Bayern eine große Chance nutzen: Den letzten großen, frei fließenden Fluss des Freistaats erhalten und der Natur wieder mehr Raum geben. Das rettet viele gefährdete Tiere und Pflanzen, dient dem Hochwasserschutz und dem Landschaftsbild und bietet einen wunderbaren Naherholungsraum. Eine renaturierte Salzach ohne Kraftwerk ist ein Gewinn für die Menschen vor Ort und in ganz Bayern, für uns und kommende Generationen – ein Ort zum Staunen, Erleben und Lernen.
Was wir fordern
Der BUND Naturschutz setzt sich gegen ein Wasserkraftwerk an der Salzach und für die weitere Renaturierung des letzten großen frei fließenden Flusses in Bayern ein.
Wir fordern deshalb,
- die Renaturierung der Salzach zügig umzusetzen,
- die Wasserkraftpläne im Tittmoninger Becken endgültig aufzugeben,
- Wind- und Sonnenenergie mithilfe der für das Wasserkraftwerk veranschlagten Finanzmittel auszubauen.
Rückblick: das zähe Ringen um die Salzach
In den 1960er-Jahren geriet der Grenzfluss zwischen Bayern und Österreich in den Fokus der Energiewirtschaft: Ganze sechs Wasserkraftwerke sollten ihn zähmen. Otto Kraus, der erste amtliche Naturschützer Bayerns, protestierte bereits wenige Tage nach der Ankündigung der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK). Er schrieb einen höflichen, aber bestimmten Brief an den bayerischen Innenminister. Das war mutig. Immerhin war er in Staatsdiensten und leitete die Bayerische Landesstelle für Naturschutz. Genau genommen war er die Landesstelle.
Eine Protestwelle begann: Schon im Sommer 1964 paddelten 150 Kanut*innen von Freilassing nach Burghausen – unter dem Motto „Hände weg von der Salzach!“ Andere Verbände schlossen sich an. Presse, Rundfunk und Fernsehen wurden aufmerksam. Die ÖBK ging für zehn Jahre in Deckung. Doch auch mit den neuen Plänen für nur mehr vier Kraftwerke bissen sie bei den Bürger*innen auf Granit. Die Zeiten hatten sich geändert. Sogar der Stadtrat von Burghausen lehnte das Projekt einstimmig ab. Es folgten weitere Protest-Paddelaktionen, mit noch mehr Teilnehmer*innen, sogar mit Schwimmer*innen in der januarkalten Salzach. 1975 gab es einen Tag der Salzach, einen Volkswandertag mit 3.500 aufgebrachten Teilnehmer*innen sowie öffentliche Anhörungen zum mittlerweile eingeleiteten Raumordnungsverfahren.
Schwimmender Triumphzug
Die verschiedenen Organisationen und Verbände bündelten ihre Kräfte: Der BUND Naturschutz, der Deutsche Alpenverein, der Bayerische Kanuverband, die Wanderfreunde Burghausen, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die FDP und der Heimatverein Burghausen schlossen sich zur Aktionsgemeinschaft „Schützt die Salzach“ zusammen. Auch der Partnerverein des BN, der Österreichische Naturschutzbund, schloss sich an.
Die Allianz bekam Oberwasser. Nach offiziellen Ablehnungen durch den regionalen Planungsverband, den Naturschutzbeirat und den Landtag verkündete die Regierung von Oberbayern 1978 das Aus: „Der Bau von vier Wasserkraftwerken an der Salzach ist nicht erforderlich.“ Danach gab es einen schwimmenden Triumphzug auf der Salzach. Der Burghausener Bürgermeister ließ Böller und Sektkorken knallen.
Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach
Gerettet war der Fluss aber noch lange nicht, denn es gab ja noch die „ganz normale“ Umweltverschmutzung. So gründeten sich die „Aktion Grüne Salzach“ und die „Aktion saubere Salzach“. Sie traten an gegen die ungeheuren Schmutzfrachten aus dem Papierwerk im österreichischen Hallein. Mitte der 1980er-Jahre war die Salzach unterhalb des Werkes einer der dreckigsten Flüsse Europas.
Den Anwohner*innen stank das ganz gewaltig, besonders jenen, die 20 Jahre lang gegen die Staustufen gekämpft und den strömenden, wirbelnden Fluss fest in ihr Heimatbild eingebaut hatten. Wieder war es der örtliche BUND Naturschutz, der den nächsten Schritt vorbereitete und die inzwischen 16 bayerischen und 14 österreichischen Salzach-Initiativen zur ALS zusammenbrachte, zur „Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach“. Endlich wurde der ganze Fluss in den Blick genommen, mit seiner ganzen Dynamik, seinem Leben, seinen Auen, seiner Wassergüte, seinem Geschiebe.
Fünf Sprecher wurden zu einer Instanz, um die keiner herumkam, darunter Erich Prechtl, damals Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Freilassing. Ihre Überzeugungskraft und ihr weitgefächertes Wissen machte die ALS zu einem wichtigen Gesprächspartner, wenn es um die Salzach ging. Auch auch für das Bayerische Umweltministerium, das 1989 begann, Untersuchungen zur Sicherung und Renaturierung des Salzach-Auen-Ökosystems in Auftrag zu geben.
Wir bleiben dran!
Viel Wasser ist seither die Salzach heruntergeflossen, sauberes Wasser. Die Papierwerke haben Kläranlagen gebaut, der Kiesabbau in den Auen wurde eingestellt, Flussrampen wurden aufgelöst, Ufer zurückgenommen, Altwässer wieder angeschlossen. Alle haben gelernt, auch die Wasserbauer, die viele Vorschläge der ALS einst hochmütig belächelt hatten und jetzt ihre Lösungen stolz auf internationalen Kongressen präsentieren. Heute ist die Salzach der einzige Voralpenfluss, der nicht durch Staustufen unterbrochen ist. Das bietet die einmalige Chance, ihn wieder zum Naturfluss zu machen.
Der BUND Naturschutz setzt sich dafür ein, das Kraftwerk abzuwenden und der Natur an der Salzach wieder mehr Raum zu geben. Für die gesamte Salzach von Freilassing bis Tittmoning liegen Studien vor, wie eine sogenannte „Naturfluss-Variante“ umgesetzt werden könnte. Das Land Salzburg ist schon aktiv: Von 2015 bis 2021 wurde in einem Teilgebiet ein LIFE-Projekt durchgeführt und die Salzach ökologisch aufgewertet5. Die erneuten Kraftwerksplanungen bringen die vollständige Renaturierung der Salzach jedoch in Gefahr.






















